Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)

 

Was ist eine Fruchtwasseruntersuchung?

 

Die Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) ist eine Methode der Untersuchung des ungeborenen Kindes

Mit der Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) können schon in den frühen Schwangerschaftswochen

bestimmte Erkrankungen oder Fehlbildungen des Fötus diagnostiziert werden.

 

Wozu dient eine Fruchtwasseruntersuchung?

Die Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) ist schon ab der 14. bis 15. Schwangerschaftswoche angebracht bei:

 

·   Schwangeren, die alter als 35 Jahre sind;

Mit steigendem Lebensalter der Mutter ist das Risiko für Veränderungen im Erbgut, also bei den Chromosomen erhöht.

Chromosomen sind die Träger der Erbinformation. Sie befinden sich im Zellkern aller Zellen des Menschen. Bei jeder

Zellteilung verdoppeln sich die Chromosomen und werden auf die neuen Zellen aufgeteilt. Bei diesem Vorgang kann es

zu Fehlern kommen. Entweder können zu wenig Chromosomen oder zu viel Chromosomen in den Zellen vorkommen.

Auch Fehlverteilungen einzelner Chromosomenabschnitte sind möglich. Treten solche Störungen auf, kann der Embryo

schwere Schäden in Form von geistiger oder körperlicher Behinderung davon erhalten. Eine der bekanntesten Behinderungen

ist das Down - Syndrom (Trisomie 21), bei dem die Betroffenen durch schwere geistige und körperliche Behinderung

gekennzeichnet sind.

·   Vorliegen eines genetischen Defekts bei den Eltern oder anderen Verwandten

·     Bereits erfolgter Geburt eines Kindes mit einer Erbkrankheit oder schweren angeborenen

    Stoffwechselerkrankungen

·   Hinweisen im Ultraschall auf  kindliche Entwicklungsstörungen oder Fehlbildungen.

·     Hinweisen auf ein erhöhtes Risiko für Down-Syndrom: Solche Hinweise können sich z.B

.   durch eine entsprechende Blutuntersuchung, den Triple-Test. Ergeben.. Hierbei untersucht

    das Labor ein kindliches Eiweiß (Alpha-Fetoprotein), die mütterlichen Hormone Östriol

    und HCG und korreliert dieses Ergebnis mit dem Alter der Schwangeren. Der Test gibt

    Auskunft darüber, ob das individuelle Risiko einer Frau für kindliche Chromosomen -

    Störungen höher ist als es aufgrund ihres Alters zu erwarten wäre.

   Außerdem kann die Menge des Alpha - Fetoprotein Hinweise auf  Mehrlinge oder

   verschiedene Erkrankungen des Fötus geben. Ein Anstieg des Alpha - Fetoprotein ist bei

    folgenden Entwicklungsstörungen zu beobachten:

·   Neuralrohrdefekte: Das sind Spaltbildungen der Wirbelsäule (z.B. Spina bifida).

·     Bauchwanddefekte: Das sind Spaltbildungen in der Bauchdecke des Kindes (z.B.

    Omphalozele).

    Zu niedrige Alpha - Fetoprotein - Werte findet man beispielsweise beim Down  - Syndrom.

 

Was ist hinsichtlich der Fruchtwasseruntersuchung zu beachten?

Vor allem die Plazenta - Untersuchung (Chorionzottenbiopsie), aber auch die

Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) bieten keine 100 - prozentige Sicherheit, da die

Ergebnisse beider Untersuchungen nicht immer eindeutig sind.

 

Wie wird eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt?

Eine örtliche Betäubung oder Schmerzmittel sind bei der Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) in der Regel

nicht nötig, da der Schmerz bei derFruchtwasser - Entnahme ungefähr dem einer Blutabnahme entspricht.

Bei der Amniozentese ermittelt der Arzt mit einer Ultraschall - Untersuchung (Sonographie) die genaue Lage des

Kindes in der Gebärmutter und damit eine geeignete Einstichstelle zur Fruchtwasser - Entnahme. Durch die sonographische

Messung bestimmter Körperteile (z.B. Kopf, Bauch, Oberschenkelknochen) kann er auch feststellen, ob die Größe des

ungeborenen Kindes tatsächlich dem errechneten Schwangerschaftsalter entspricht.

An der ausgewählten Stelle führt er unter permanenter Ultraschallkontrolle eine dünne Nadel in die Bauchdecke und weiter

in die Fruchtblase ein. Aus der Fruchtblase saugt der Arzt dann etwa 20 ml Flüssigkeit ab.

Die Fruchtwasserprobe wird anschließend in einem Labor untersucht. Dort werden die Zellen, die sich in der Probe befinden,

weiter gezüchtet und vermehrt. Diese Zellen sind abgestoßene Zellen der Haut, des Magen - Darm - Trakts und der Nieren des

Kindes. Das Ergebnis der Untersuchung liegt nach ungefähr ein bis drei Wochen vor.

Nach dem Eingriff sollte sich die Patientin einen Tag lang schonen.

 

Welche Komplikationen können bei einer Fruchtwasseruntersuchung auftreten?

Bei der Fruchtwasserentnahme (Amniozentese) kommt es nur selten zu Komplikationen Dazu zählen:

·     Das Risiko einer Fehlgeburt: Es liegt bei etwa 0,5 bis 1 Prozent und hängt auch von der

     Erfahrung des Arztes ab.

·     Fruchtwasserabgang, schwache Blutungen in der Gebärmutter, Verletzung der

    Gebärmutter oder eine Infektion

·     Eine Verletzung des Kindes durch die Nadel: Dieses Risiko kann der Arzt erheblich

     vermindern, wenn er während des gesamten Eingriffs die Position des Kindes mit Hilfe

     des Ultraschalls bestimmt.

·     Kontraktionen der Gebärmutter: Diese Reaktion ist relativ häufig, lässt aber in der Regel

     rasch wieder nach.

 

Welche alternativen Untersuchungsmöglichkeiten gibt es?

 

Die Plazenta - Untersuchung (Chorionzottenbiopsie) und die Nabelschnurpunktion (Chordozentese) sind ebenfalls

Verfahren zur Untersuchung des ungeborenen Kindes.

Mit der Ultraschall - Untersuchung (Sonographie), einer Routine - Untersuchung während der Schwangerschaft, kann

der Arzt zuweilen Fehlbildungen einzelner Organe erkennen. Die Sonographie ist einfach und schnell durchführbar, schmerzlos

und kostengünstig. Außerdem erhält der Arzt das Ergebnis sofort. Allerdings lässt der Ultraschall keine Rückschlüsse auf die

Erbanlagen des ungeborenen Kindes zu, weshalb sie eine Fruchtwasserentnahme bzw. Plazenta – Untersuchung

 (Chorionzottenbiopsie) auch nicht ersetzen kann.

Eine intensive genetische Beratung durch einen Spezialisten sollte zusätzlich zur Amniozentese erfolgen.